GK Fels 2010

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Abschlusstour im Ötztal

Alles begann vor gut 9800 Jahren. Die Eiszeit ist zu Ende, zurück bleiben lose Gesteinsmassen, eine Menge Geröll, der Lehner Wasserfall, der Stuibenfall – Tirols höchster Wasserfall (159 Meter) – und der Reinhard Schiestl Klettersteig, unsere Bergführer Bernhard und Jürgen und 13 Klettersteigbegeisterte. Wir sollten erfahren, wie sich das zuvor an der Mittelbergwand und am Höhenglücksteig Erlernte im Hochgebirge bewährt. Um es vorweg zu nehmen: Bernhard, Jürgen und Hans-Werner haben mit Engelsgeduld ganze Arbeit geleistet und uns bestens vorbereitet! Danke, Ihr Drei. Schade, dass Kai, Sabine, Artur und Hans-Werner im Ötztal nicht dabei sein konnten.

Nun ging es also am Tag nach Christi Himmelfahrt los nach Umhausen- Niederthai (A) ins Sporthotel Alpina. Das Wetter versah die ganze Unternehmung mit einem großen Fragezeichen. Es schneite wie angekündigt. Warum sagt Bernhard nicht ab? Darum. Und recht behielt er. Es macht keinen Unterschied, ob das Wasser von oben, unten oder der Seite kommt – nass biste eh. Andererseits die beste Voraussetzung für freie Klettersteige?

Am Tag 1 ging es vormittags zum Klettersteig entlang des Lehner Wasserfalls. Die Autos und Lärchen sind schön anzusehen mit ihrer weißen Schneehaube … Der Aufstieg führt vom Ort Lehn bei Längenfeld über den Kreuzweg und eine kleine Hängebrücke zur Einstiegswand. Nach der üblichen Haddelei, bis der Knoten endlich da sitzt, wo er sitzen soll, geht es die senkrechte Wand (C) aufi. Die Jungs Michi, Laurenz und Jürgen (unsere Lebensversicherung) an der Spitze sind schon nicht mehr zu sehen, dann folgen Sandra (herzallerliebste Kurs-Quereinsteigerin) Gregor (unser Bildberichterstatter in Überhang), Sylwester, der seine Höhenangst mit Stil kultiviert, Verena, Roland und Horst, Chefbotaniker und Fundgrube des Wissens. Barbi probiert es mit der bewährten Technik ‚zitterndes Knie‘, vergisst diese aber im Verlauf dann doch wieder. Christoph versucht m i t dem Berg zu klettern (der Berg, dein Freund). Norina steigert die Spannung bis zu letzt, aber bevor Bernhard unmittelbaren Zwang anwenden muss, haben wir uns alle und den Berg selbständig überwunden. Die Jüngsten und Tapfersten – Johannes tritt in beiden Kategorien an - bewältigten den Überhang mit 30° Neigung (D). Wahnsinn. Vernunft siegt jedoch bei uns Namenlosen. Dafür gibt es eine Alternativroute. Sind ja noch Anfänger. 160 Höhenmeter liegen hinter uns. Und genießen den Blick übers Tal und den Wasserfall. Sandra verteilt zur Belohnung (?) staubtrockenes Schüttelbrot.
Abstieg. Der Himmel klart auf. Und weiter geht’s zum Stuibenwasserfall.

Den Einstieg markiert eine Hängebrücke über den Unterlauf des Gebirgsbachs, der sich dort nach dem Fall über zwei insgesamt 159 Meter hohe Steilstufen schon fast wieder beruhigt hat. Die haushohen Wasserstaubfahnen geben dem Fall seinen Namen: „Stuibenfall“.
Jenseits der Brücke geht es 300 Höhenmeter und auf einer Länge von ungefähr 450 Meter steil bergwärts, direkt neben die stürzenden Wassermassen. Erstklassig - geradezu verschwenderisch - abgesichert ist der Anstieg über drei etwas schwierigere Passagen (C), aber immer findet sich ein guter Tritt bei der Menge des verbauten Eisens. Kurz vor dem Ausstieg steht eine Bank unter einem trockenen Überhang. Sehr empfehlenswert, wenn man mal allein sein will. Aus der ersten Reihe hat man hier den besten Blick über das Naturschauspiel.

Und wieder standen alle, die angetreten waren am Ende überglücklich oben.
Die waghalsige Überquerung des Wassers an der Abbruchkante des Falls über ein Drahtseil (es gibt auch eine Sicherungsmöglichkeit), setzte dem Ganzen noch ein Krönchen auf.

Dann starker Stalldrang wegen Hopfenkaltschale, Sauna etc.
Zwei der Gruppe haben heute etwas verloren: Höhenangst ade!

Unser zweiter Tag begrüßt uns mit frisch gezuckerten Hängen und entsprechenden Temperaturen.
Heute steht die Vertiefung unseres erworbenen Könnens auf dem Plan. Was jeder einzelne darunter versteht zeigt sich schnell: während die einen nicht mehr ohne tosende Wassermassen unter dem Drahtseil leben können und mit Jürgen die Wasserfälle besteigen, bricht der Rest der Gruppe zusammen mit Bernhard zum berüchtigten Schiestl-Klettersteig auf.

Am Parkplatz angekommen machen sich 7 von uns bereit um diese hohe glatte Platte zu bezwingen. Nachdem der Rest der Truppe auf der Hinweistafel die Schlagworte „D“, 200m und „kräftiges Zupacken“ gelesen hat, möchten sie doch lieber den direkten Einkehrschwung vertiefen.
So stehen zuletzt 7 Vertiefungswillige am Wandfuß und schauen den Metallsprossen nach, die sich im Himmel verlieren. Michi und Gregor machen den sportlichen Anfang und verschwinden in der Höhe. Nachdem sich der Rest auf der ersten Wandstufe zusammen findet und nach ein paar vergeblichen Versuchen am ersten Überhang wird schnell klar, dass Verena und Sabine heute doch lieber das Abseilen vertiefen möchten. Bernhard hat das routiniert im Griff und das Seil ist natürlich auch lang genug…

Von unserer Vorhut ist schon lange nichts mehr zu sehen. Und so zieht der kleine Rest der Gruppe in die Höhe. Begleitet von einer herrlichen Aussicht in die verschneiten Hänge, der besonderen Flora, die Horstunentwegt in Entzücken versetzt und dem steten Klacken unserer Karabiner am Seil.
200 Höhenmeter weiter treffen sich dann alle wieder, um das zu vertiefen, was am besten schmeckt.

Ein schöner Abschluss. Berg Heil!